Konduktive Förderung

Die Konduktive Förderung wurde von dem ungarischen Neurologen und Pädagogen Dr. András Petö entwickelt. Oberstes Ziel ist es, Kinder mit Cerebralparese so weit zu befähigen, dass sie eine maximale Unabhängigkeit von Hilfsmitteln und Personen erreichen.

Die Konduktive Förderung ist ein ganzheitliches Fördersystem, das vom kleinen Kind bis zum Erwachsenen angewendet werden kann. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch und nicht die Behinderung. András Petö sieht in der Cerebralparese nicht nur eine motorische Beeinträchtigung, sondern eine Lernstörung, die die ganze Person betrifft. Daher sagte er:

„Lasst doch die gelähmten Muskeln, beschäftigt euch mit der gesamten Persönlichkeit!“

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In der 4jährigen Fachhochschulausbildung der Konduktoren/innen werden Elemente der Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie  mit psychologischen, heil- und sonderpädagogischen Elementen zusammengeführt (konduktiv = zusammen-führend). Die Konduktorin ist für die körperlichen, seelischen und geistigen Bedürfnisse des Kindes verantwortlich. Die Herausforderung besteht darin, die trotz Behinderung vorhandenen Ressourcen zur Alltagsbewältigung zu nutzen. So entstehen durch einen aktiven Lernprozess neue Bahnungen im Nervensystem.

„Zeige mir, wie ich es mit meinen Möglichkeiten schaffen kann!“

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Die Förderung findet in der Gruppe statt und nutzt so gruppendynamische Momente zur Anregung, Motivationssteigerung, zum Nacheifern und Nachahmen. Auch der gemeinsame Spaß und spielerische Elemente kommen nicht zu kurz.

Hilfsmittel werden so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich verwendet.

Die tägliche Behandlungsdauer beträgt abhängig vom Entwicklungsstand bei Kindern ab 3 Jahren ca. 3-4 Stunden und  ab 5-7 Jahren meist 6 Stunden.

Alle therapeutischen Programme werden mit der Stimme durch rhythmische Wortfolgen oder Lieder und Reime begleitet. Die Programme finden in gleichbleibenden Abläufen statt, die das Lernen erleichtern, Sicherheit geben und die Orientierung erleichtern, aber auch das Gedächtnis schulen und dem Kind ermöglichen, Fortschritte selbst zu erkennen.

Die motorischen Programme bestehen täglich aus Dehn- und Streck-Übungen im Liegen (auf Pritschen oder Matten), individuellen Steh- und Laufübungen (mit verschiedenen Hilfsmitteln) sowie funktionell orientierte Arm- und feinmotorische Handprogramme. Zusätzlich gibt es z.B. Gleichgewichts- und Atemübungen.


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Ziele der Konduktiven Förderung

  • Erwerb motorischer Grundfertigkeiten (z.B. Greifen, Robben, Krabbeln Sitzen, Stehen, Laufen) 
  • Erreichen größtmöglicher Selbstständigkeit im alltäglichen Handeln (z. B. Essen, An- und Ausziehen, Sauberkeit)
  • Förderung der Wahrnehmung und der kognitiven Fähigkeiten
  • Erweiterung der kommunikativen und sozialen Fähigkeiten (z.B. Sprache, Gruppenfähigkeit)
  • Größtmögliche Eigenaktivität und damit Stärkung des Selbstbewusstseins und der gesamten Persönlichkeit
  • Begleitende Beratung und Anleitung der Eltern
  • Bei Erwachsenen stehen meistens die Schulung des Gleichgewichts, der Beweglichkeit in der Grob- und Feinmotorik und die Reduzierung der Spastizität im Mittelpunkt. Hiermit wird v.a. die Selbstständigkeit und das Alltagshandeln unterstützt.


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Zielgruppe

Die Petö-Methode ist für Kinder und Erwachsene mit einer Hirn- oder Nervenschädigung geeignet (Cerebralparese, Spastik, Athetose, Ataxie, Hypotonie, Spina bifida, Zustand nach Unfällen oder Schlaganfall, bei MS oder Parkinson).

Konduktive Förderung wird zunehmend erfolgreich bei den verschiedensten Behinderungen angewendet. Ihr ganzheitlicher Ansatz, der in jedem Kind Lern- und Entwicklungspotential sieht und es zielorientiert, nicht defizitgeleitet fördert, ist für viele Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen geeignet.


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Die Förderung kann schon mit sehr kleinen Kindern ab circa einem Jahr begonnen werden und findet im frühen Alter meist als Eltern-Kind-Gruppe statt, die v.a. der Anleitung der Eltern dient.
Ab dem Kindergartenalter können die meisten Kinder in Gruppen gefördert werden. Hierzu müssen sie gruppenfähig sein und  einfache Aufforderungen verstehen können. Es ist nicht notwendig, dass sie über eine aktive Sprache verfügen.


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